Interview mit Jörg Dietzel

1471912_10152396808718125_368864654_nIm Sommer 2013 war Super Juniors Choi Siwon für zwei Tage in Frankreich. Der Grund für seinen Besuch war jedoch kein Konzert oder Fashion Shooting. Er war mit Jörg Dietzel zu Gast beim Autorennen „24 Stunden von Le Mans“. Auf Twitter konnten die Fans von Super Junior dank Herrn Dietzel Bilder von ihm und Siwon sehen (siehe unten), unter anderem, wie beide zusammen das Rennen von einem Helikopter aus verfolgten.

Doch wer genau ist Jörg Dietzel?

Wenn man auf die Begegnungen zwischen ihm und Choi Siwon achtet, fällt auf, dass immer eine deutsche Marke im Hintergrund steht: Audi.
Denn die Marketingabteilung des deutschen Automobilherstellers hat seit März 2013 einen neuen Abteilungsleiter in Südkorea. Keinen Geringeren als Jörg Dietzel. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der 52-Jährige in den Bereichen Marketing, Werbung und Kommunikation, zum Großteil im Raum Asien. Für Audi baute er bereits in der Vergangenheit von London aus ein globales Netzwerk auf und gründete 2005 seine eigene Firma für Markenberatung mit sieben Büros in Singapur, Jakarta, Hongkong, Manila, China, London und Berlin.

Zudem lehrt er Werbung, Management Promotion und strategisches Markenmanagement in Singapur, sowohl an der NUS (Nationaluniversität Singapur) als auch an der SMU (Singapur Management Universität). 2008 veröffentlichte Jörg Dietzel ein Buch mit dem Titel „Create Connect Convince – Fundamentals of Advertising, Branding and Communication“.

 

Wir hatten die Möglichkeit mit ihm ein Interview zu führen.

 

  • Sie arbeiten als Ausländer in den koreanischen Medien, welche Schwierigkeiten gibt es da?

Neben sprachlichen Herausforderungen muss ich auch immer mehr lernen – über Korea, den Markt und die Kultur. [Es ist] doch schon sehr anders als Europa und selbst als die Märkte in Asien, in [den Ländern in] denen ich bisher gelebt habe, wie China, Hongkong oder Singapur.

 

  • Sie arbeiten mit sehr bekannten koreanischen Stars zusammen, die selbst in Deutschland eine große Fangemeinde haben. Wie finden Sie es, dass K-Pop, bzw. Korea, immer bekannter und beliebter in Deutschland wird?

Interessant und verdient. Lange Zeit ging ja der Kulturtransfer immer in eine Richtung, von Westen nach Osten. Asiaten fanden westliche Stars und Marken toll – das gilt teilweise natürlich immer noch. Ich finde es gut, dass Asien und speziell Korea nicht nur eine ganz eigene Musikrichtung entwickelt haben, sondern dass diese auch den Siegeszug durch ganz Asien nach Europa und Deutschland angetreten hat.

 

  • Wie war es für Sie speziell, Choi Siwon kennenzulernen?

Unser erstes Treffen werde ich nie vergessen – es war vor ca. einem Jahr bei der Seoul Motorshow, wo er als Audi Botschafter an unserem Stand auftrat. Er kam auf mich zu und sagte hallo – super freundlich, super gutes Englisch und interessiert an anderen, ihren Gedanken und Ideen. Auf einer Reise zum 24-Stunden-Rennen nach Le Mans haben wir uns dann besser kennengelernt.

 

  • Was haben Sie für einen Eindruck von ihm?

Ich muss mich immer wieder daran erinnern, wie bekannt und berühmt er ist, denn eigentlich ist er im Umgang ganz normal, super freundlich und mitfühlend. Wir sind beide Christen und als im letzten Jahr mein Vater starb, hat er immer wieder per SMS und Anruf nachgefragt, wie’s geht und ob er was für mich tun kann. Menschlich toll und sehr beeindruckend.

 

  • Wie sind Sie darauf gekommen, nicht nur für Audi zu arbeiten, sondern vor allem in Korea?

Ich fühlte mich eigentlich wohl in Singapur, da kam das Angebot von meinem Ex-Kunden, hier Marketingleiter zu werden. Ich habe es als Herausforderung angenommen, weil hier einfach alles anders ist: Sprache, Kultur, Klima, Essen. Das ist nicht immer einfach, aber es macht Spaß.

 

  • Welche Ratschläge haben Sie für Personen, die gerne auswandern würden, um in Korea neu anzufangen? 

Sprache, Sprache, Sprache. Die meisten Koreaner können zwar theoretisch etwas Englisch, sind aber zu schüchtern, es zu sprechen. Nur mit Englisch kommt man nicht weit, zumindest nicht im echten lokalen Korea. Also, vorher schon mal einen Kurs machen.

 

  • In welchen Bereichen unterscheidet sich Ihrer Meinung nach Korea von Deutschland?

In manchen Bereichen sind wir uns sogar ähnlich – wir arbeiten viel und sind im Allgemeinen eher ernst. Hierarchie und korrektes Auftreten werden großgeschrieben. Was ist anders – einmal die Rolle der Frauen, die allgemein noch nicht so selbstbewusst wie in Deutschland auftreten, von Ausnahmen wie der Präsidentin einmal abgesehen. Dann ist Korea auch sehr schnell, „always on“ – im Gegensatz zu Deutschland.

 

  • War es für Sie eine große Umstellung, nach Korea zu kommen?

Ja, vor allem Sprache, Essen und Klima waren eine Umstellung.

 

  • Vermissen Sie Deutschland?

Nicht so sehr, ich bin ja auch durch meine Arbeit bei Audi häufig dort, zumindest in München oder Ingolstadt.

 

  • Wissen Sie noch, was Sie als erstes in Korea probiert/gegessen haben?

Ja, das war Kimchi auf einer Händlertagung – total scharf, zu scharf für mich. Aber andere Gerichte, wie Jeju Barbeque Black Pork, sind toll.

 

  • Welchen Ort sollte man in Korea unbedingt besuchen, wenn man dort das erste Mal Urlaub macht?

[…] Ein Restaurant oder ein[en] traditionelle[n] Platz. Ich würde durch die Straßen gehen, um einen Eindruck zu gewinnen und mich an die eher typisch koreanischen Stadtteile wie Gangnam oder Cheongdam halten – Itaewon ist mir zu touristisch.

 

  • Ist es für Sie einfacher, in Korea oder in Deutschland zu arbeiten? Warum?

Deutschland wäre vielleicht von der Sprache und Mentalität her etwas einfacher, aber Korea ist spannender.

 

  • Sie reisen viel um die Welt. Was machen Sie, um sich zu entspannen?

Ich schwimme jeden Tag, trainiere mit einem koreanischen Trainer und entspanne mich bei einem guten Film und einem Glas Champagner an Bord von Fliegern.

 

  • Wenn man als Austauschstudent, per Work & Travel o.Ä. nach Korea reist und sich bei Audi für eine Stelle bewirbt, welche Voraussetzungen sind da am wichtigsten?

Wieder die Sprache – nur mit Deutsch und Englisch kann man nicht so viel machen.

 

  • Seit März 2013 sind Sie der Leiter der Marketingabteilung von Audi Korea, 2005 haben Sie Ihre eigene Firma für Markenberatung (mit 7 Büros, davon 5 in Asien) gegründet und davor haben Sie für DDB und BBDO in Asien gearbeitet. Sie sind schon seit mehreren Jahren in Asien tätig, was gefällt Ihnen so besonders an diesem Kontinent? Und gibt es ein Land, in dem Sie sich am wohlsten fühlen?

Asien ist spannend, weil es so anders ist – anders als Europa und die USA, aber auch untereinander. Thais etwa und Koreaner sind schon sehr verschieden. Ich mag die freundliche Art, die Schnelligkeit und vor allem die Menschen. Ich mag guten Service und die Tatsache, dass alles irgendwie möglich ist. Ganz heimlich finde ich es vielleicht auch gut, etwas Besonderes zu sein. Am wohlsten habe ich mich bisher in Singapur gefühlt – [dort] habe ich die meisten Freunde, kenne mich am besten aus. Und das Beste: Man spricht Englisch.

 

 

Quelle: JörgDietzel Group, Jörg Dietzels FBSiwons Twitter

Autor: Enza